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Das Große „Wes Anderson“ Film-Ranking

© Searchlight Pictures

Wes Anderson und seine Filme könnte man fast schon als eigenes Genre bezeichnen. Sein Stil und die Machart seiner Filme sind einmalig und teilweise sehr künstlerisch. Manche können damit viel anfangen, andere wiederum gar nichts. Aber ohne jeden Zweifel bereichert Wes Anderson die Filmwelt mit seinen Kunstwerken, mal mehr, mal weniger. Ich ranke heute alle Wes Anderson Filme und zeige euch, wieso man seine Filmografie als Filmfan zumindest mal gesehen haben sollte. Achtung: Bei den älteren Filmen werde ich teilweise auf mögliche Spoiler eingehen!

Wes Anderson ist dafür bekannt, seine künstlerischen Visionen in seinem ganz eigenen Stil umzusetzen. Während seine ersten Filme dies vor allem in Dialogen aufweisen, erkennt man die späteren Wes Anderson Filme bereits an der breiten Farbpalette und an seinen wunderschön Detaillierten Sets. Aber auch das punktierte Schauspiel seiner Darsteller ist sofort zu erkennen. Meist sind seine Charaktere dadurch recht emotionslos, was durchaus als Kritikpunkt angemerkt werden kann. Aber nun gehen wir mal die Filme im Detail durch und kommen zu Platz 10.

Platz 10: Durchgeknallt

© Columbia

Andersons erster Film landet bei mir auf dem letzten Platz. Durchgeknallt, im original „Bottle Rocket“, ist ein kurzer, recht charmanter Film. Leider aber auch nicht mehr. Das große Problem des Films ist für mich die Handlung. Die erste Hälfte erzählt von zwei Brüdern, die einen Raubüberfall mit ihrem Freund begehen, sich anschließend in ein Motel zurückziehen und dort verweilen. Einer der Brüder, gespielt von Luke Wilson, verliebt sich dann dort in eine Angestellte. Es entwickelt sich eine kleine Romanze, die innerhalb der „Gang“ für Probleme sorgt. Doch dann nach einer Wendung des Films springen wir zurück in die Stadt, in der die Brüder leben. Einige Zeit ist vergangen und jeder ging seiner Wege. Doch dann trommelt Owen Wilson seine Drei-Mann-Truppe zusammen um für einen Verbrecher einen Raub zu begehen. Dieser Teil des Films wirkt äußerst abgelöst von der ersten hälfte. Man hat das Gefühl man schaut zwei Filme, die irgendwie zusammen genäht worden sind. An sich ist Durchgeknallt ein charmanter kleiner Film, jedoch leider nicht mehr. Man spürt das Langfilmdebüt und dass die Vorlage ein von Wes Anderson gedrehter Kurzfilm ist. Dennoch hatte er auch unterhalten und ist in der Gesamtfilmografie des Regisseurs definitiv sehenswert. Denn Wes Andersons Werdegang ist im Laufe seiner Filmografie deutlich spürbar.

Platz 9: Rushmore

© 20th Century Studios

Der zweite Film von Anderson landet bei mir auf Platz Nummer 9. Denn Rushmore ist wie sein Vorgänger ein spaßiger, charmanter Film, jedoch sind die einzelnen Szenen mit einem gewissen Tempo erzählt, sodass der Film nur selten zur Ruhe kommt. Und genau das ist die größte Stärke und Schwäche von Rushmore. Der Film handelt von Max Fischer, Schüler an der Rushmore. Er, ebenso wie sein Freund Herman Blume (Bill Murray), verlieben sich in die Vorschullehrerin Rosemary Cross. Beide kämpfen um sie und geraten dabei sogar in einen riesen Streit. Da Max alles macht, um Miss Cross zu umwerben, wird er sogar der Schule verwiesen, weil er ein nicht genehmigtes Aquarium auf dem Sportplatz errichten wollte. Rushmore ist ein kleiner, rasant erzählter Film, dessen Charaktere manchmal etwas seltsam Handeln. Aber eben diese Charaktere, die man als Zuschauer durchaus ins Herz schließen kann, machen diesen Film so unglaublich witzig, charmant und unterhaltsam. Und genau aus diesem Grund steht Rushmore für mich auch über Durchgeknallt. Denn Rushmores Geschichte wirkt bereits deutlich durchdachter und fühlt sich Runder an, als noch Durchgeknallt.

Platz 8: Darjeeling Limited

© Searchlight Pictures

Zu Darjeeling Limited habe ich gar nicht so viel zu schreiben. Denn dieser Film hat eine schöne Geschichte, mit sympathischen Charakteren und man kann hier definitiv mit den Charakteren mitfühlen. Drei Brüder machen sich auf eine Spirituelle Reise durch Indien, um ihre Mutter wieder zu treffen. Das ist im Prinzip auch schon die Handlung des Films. Natürlich erleben sie allerlei auf ihrer kleinen Reise. Mal sind diese Erlebnisse äußerst tragisch, mal sehr witzig, manchmal aber auch einfach nur existent. Das Problem, das ich mit Darjeeling Limited hab, weshalb er so weit unten ist, kann ich gar nicht so richtig benennen. Er ist nicht langweilig, aber auch nicht extrem mitreißend. Er hat sympathische Hauptfiguren, jedoch keine, die besonders stark hervorstechen. Es ist ein Film der über weite Strecken vollkommen okay ist, aber irgendwie doch etwas an sich hat, für das man ihn mag. Darjeeling Limited ist mein Platz 8, obwohl ich es noch nicht einmal wirklich gut benennen oder begründen kann. Aber ich werde auf jeden fall noch einmal die Reise mit den Whitman Brüdern durch Indien bestreiten. Denn am Ende hinterlässt Darjeeling Limited doch ein Gefühl von wohlwollen dem Film gegenüber.

Platz 7: Die Royal Tennenbaums

© 20th Century Studios

Nach vielen Jahren vereinen sich die Tennebaums, um die letzten Tage ihres Vaters mit ihm zu verbringen. Denn Royal Tennenbaum liegt im sterben. Dabei entsteht eine Familienkomödie, die durchweg unterhaltsam ist. Denn sie erzählt von den Problemen, wie sie jede Familie haben könnte und zeigt auf, wie schwer das Familienleben manchmal ist. Wes Anderson hat hier einen Cast vereint, die unterschiedlicher nicht dargestellt werden könnten, und doch kauft man ihnen das Familiendasein zu jeder zeit ab. Und wenn Die Royal Tennenbaums dann endet, ist man trotz des weniger glücklichen Endes dennoch irgendwie Glücklich. Denn die Zeit die man mit der Familie verbringt, lässt sie einen schnell ins Herz schließen. Vor allem die Kinder von Royal gespielt von Ben Stiller, Luke Wilson und Gwyneth Paltrow sind für mich die Stars des Films. Je höher wir kommen in der Liste, umso charmanter werden die Filme. Und ich freue mich Die Royal Tennenbaums noch einmal zu schauen.

Platz 6: Die Tiefseetaucher

© 20th Century Studios

Steve Zissou (Bill Murray) verliert bei einem Dreh für seine Dokumentarfilme seinen besten Freund Esteban. Aus Rache macht er Jagd auf den Hai, der für Estebans Tod verantwortlich ist. Begleitet wird Steve von seiner Crew, seinem Sohn (Owen Wilson) und der Reporterin Jane (Cate Blanchett). Wes Anderson entführt uns in ein kleines Abenteuer auf hoher See, das es nur selten so im Kino gab. Die Stop-Motion Szenen geben dem Film einen eigenen Charm. Die Charaktere sind wie so oft, durchweg gut besetzt. Egal ob Bill Murray als depressiven Kapitän, Owen Wilson als dessen Sohn oder Willam Dafoe als Teil von Zissous Team. Der Film erzählt eine Geschichte, die tragisch und zugleich schön ist, mit atmosphärischen Bildern aber auch einer traurigen Wendung am Ende. Der Film leidet aus meiner Sicht jedoch darunter, dass er ein wenig zu lang geraten wirkt und sich dadurch zieht. Dafür bekommen wir ein Zusammenspiel aus real und Stop-Motion, das so einzigartig gefilmt ist, wie es nur Anderson selbst inszenieren kann. Denn hier wird die Stop-Motion Technik bewusst als solche dargestellt. Und die Unterwasserwelt, die wir in wenigen Szenen zu sehen bekommen, hätte schöner nicht sein können.

Platz 5: Moonrise Kingdom

© Universal Pictures

Auf der Insel New Penzance Island brennen der kleine Pfadfinderjunge Sam und seine Brieffreundin Suzy zusammen durch. Sams Pfadfindertruppe unter der Leitung von Scout Master Ward, der Inselpolizist Captain Sharp und Suzys Eltern machen sich auf die Suche nach dem Kinderpaar. Dieses erlebt gefolgt von den anderen allerlei auf der Insel. Und uns als Zuschauer wird eine kleine Romanze zwischen Kindern erzählt, die authentischer vermutlich nicht sein könnte. Zwei Kinder, die sich als Außenseiter fühlen, finden einander. Wes Anderson erzählt uns eine Liebesgeschichte mit skurrilen Charakteren und Handlungen, die doch so nah am echten Leben ist. Komik trifft hier auf echte Gefühle und schräge Momente, doch es fühlt sich dauerhaft organisch an. Und vor allem nimmt Anderson die Liebe seiner Protagonisten ernst. Und das bereichert den Film so sehr. Für den Zuschauer mag es auf den ersten Blick nach einer Blödelei von Kindern aussehen, doch diese Kindern verhalten sich erwachsener als manch erwachsene. Ein Film, der den Lebensalltag und die Probleme widerspiegelt, und mit seiner Atmosphäre besticht. Am Ende ist man glücklich, den Sam und Suzy enden dort, wo sie immer hin wollten. Ein durch und durch schöner und liebevoller, ernster und komödiantischer Film, den man nicht oft genug schauen könnte.

Platz 4: Isle of Dogs

© Searchlight Pictures

Mit Isle of Dogs hat Wes Anderson die Welt der Stop-Motion Filme erweitert und bereichert. Der kleine Junge Atari durchsucht mithilfe einer Truppe von Hunden Trash Island. Dorthin wurden alle Hunde Japans verbannt, und Atari versucht seinen Hund Spot zu finden und zu retten. In dieser eigenartigen Welt erleben wir eine Reise mit unglaublich detaillierten Sets, wunderbaren Figuren und skurrilen Orten. Ganz zu schweigen wie wunderschön die Stop-Motion Animationen sind. Als großer Fan dieser Technik kann man sich hier nicht Satt sehen. Jedoch hat dieser Film aus meiner Sicht ein großes Problem: die amerikanische Studentin Tracey Walker. Nicht nur finde ich die Liebesgeschichte die Anderson mit ihr erzählt unnötig. Sie ist auch diejenige, die eine Studentenbewegung für Demokratie ins Leben ruft. Die Botschaft, die dadurch herüber kommen könnte: die Amerikaner bringen den Japanern die bessere Staatsform. Ein fader Beigeschmack. Oder ich interpretiere hier zu viel.

Platz 3: Der fantastische Mr. Fox

© 20th Century Pictures

Wes Anderson erster komplett in Stop-Motion gedrehter Film handelt von Mr. Fox, der die drei Bauern in seiner Wohnnähe bestehlen will. Dies soll sein großer letzter Coup werden. Jedoch eskaliert die Situation und Mr. Fox und seine Freunde müssen zusammen gegen die Bauern vorgehen. Dabei sind die Dialoge so rasant, wie die Inszenierung. Die Geschichte kommt aber in genau den richtigen Momenten zur Ruhe, um uns Mr. Fox und seine Familie ein wenig näher zu bringen. Wes Andersons typische Skurrilität ist hier in jeder Sekunde des Films zu sehen und zu spüren. Es ist ein kleines aber feines, urkomisches und liebevolles Abenteuer. Und wie bereits bei Isle of Dogs erwähnt: die Stop-Motion hatte mich hier komplett in ihren Bann gerissen. Dieser Film ist ein kleines Meisterwerk und hat sich den ersten Treppchen platz wohl verdient. Ich kann jedem, der auf etwas schrägeres steht Der fantastische Mr. Fox nur weiterempfehlen. Fans von Wes Anderson sowieso.

Platz 2: Grand Budapest Hotel

© Searchlight Pictures

M. Gustave H bekommt von seiner langen Freundin Madame D. ein wertvolles Gemälde vererbt. Er und Zero stehlen dieses Gemälde, da die Erbgemeinschaft nicht besonders froh über diese Kunde ist. Es beginnt ein irrwitziger und bunter Film, in dem M Gustave verhaftet wird, ausbricht, gejagt wird und selber ermitteln muss, was tatsächlich geschehen ist. Eine bunte Komödie mit einer unglaublichen Farbpalette, sehenswerten Sets und liebevollen Charakteren.  Das Modell des Grand Budapest sieht einfach fantastisch aus. Wes Anderson setzte in seinem bisher besten Film auf Minimalismus und optimierte den Einsatz von Modellen gepaart mit realen Aufnahmen, wie er es bereits in Die Tiefseetaucher getan hatte. Wenn wir dem Lobby Boy Zero durch das Grand Budapest und seiner Arbeitszeit folge, kann man sich gar nicht sattsehen. Kunterbunt, skurril wie gewohnt und dennoch äußerst charismatisch und liebevoll. Ralph Finnes als Concierge des Hotels ist so eigenartig und doch so elegant. Seine Art erinnert mich immer an Kingsman, in dem Manieren als etwas definiert wird, was uns erst zu Menschen macht. Und auch wenn M. Gustave manchmal seine Manieren vergisst, so ist er doch immer ein wahrer Gentleman und immer für alle in seiner Umgebung da. Grand Budapest Hotel vereint für mich alles, was Wes Anderson ausmacht und war damit lange Zeit die unangefochtene Nummer 1. Bis Andersons neuester Film in den Kinos anlief, nämlich….

Platz 1: The French Dispatch

© Searchlight Pictures

Arthur Howitzer jr. ist der Leiter des French Dispatch. In diesem Film erzählt Anderson durch das Magazin 4 Kurzgeschichten, von einer kleinen Tour durch eine französische Provinzstadt, über einen Künstler und seiner Geliebten, einer Revolte Jugendlicher bis hin zu einer Entführung des Sohnes des Polizeichefs. Dieser Film ist Wes Anderson durch und durch. Hier treffen unglaubliche Sets, teilweise Bühnenartig, auf eine unglaubliche Farbgebung mit Stimmungsvoller Musik, tollen und vor allem namenhaften Darstellern, skurrilen Charakteren, eigenartigen Geschichten, mit viel Liebe und Herz erzählt, aber auch sehr witzig und doch tragisch gehalten aufeinander. Mit einer Kameraführung und einer Belichtung, so einzigartig, wie noch nie zuvor. Ganz zu schweigen von dem Wechsel Schwarz-Weiß und Farbfilm. Dieser Film ist ein Kunstwerk, ein Meisterwerk. Er ist eine Liebeserklärung an das Filmemachen und den Journalismus, das Theater, die Musik, das Schreiben, an die Kunst des Malens, an die Kunst selber und an das Kochen. Ein Meisterwerk durch und durch, ein Kunstwerk, das vermutlich nicht jedermanns Film ist. Aber für mich ist dies die unangefochtenen Nummer 1 der Wes Anderson Filme. Denn ich hatte mich bereits beim ersten Kinobesuch in dieses Kunstwerk verliebt.

Und damit endet mein Ranking. Schreibt mir gerne eurer eigenes Ranking der Filme in die Kommentare. Und welcher Film ist euer liebster, wenn es um Wes Anderson geht? Ich freue mich auf eure Antworten.

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