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Filmkritik zu „City of Lies“ mit Johnny Depp

© © Saban Films

Ganze 3 Jahre lang lag die Veröffentlichung von City of Lies in der Schwebe. War zunächst noch ein Kinostart für den True Crime Thriller mit Johnny Depp im Jahr 2018 vorgesehen, wurde er kurz vor der Premiere ohne große Erklärung auf unbestimmte Zeit verschoben. Nun folgte relativ plötzlich die Heimkinoveröffentlichung. Eine Kinoauswertung in Deutschland ist nicht mehr geplant. Ob das ein gutes Omen ist?

Inhalt
Wir befinden uns im Jahr 1997: Nach der Ermordung des weltbekannten Rappers Tupac Shakur folgte wenige Wochen später der Mord an dessen Rivalen Biggie Smalls, besser bekannt als Notorious B.I.G. Der LAPD Detective Russell Poole (Johnny Depp) wird mit der Aufklärung des Falls beauftragt. Das Los Angeles Police Department steht dabei unter großem Druck. Nicht nur leidet ihr Ansehen in der öffentlichen Wahrnehmung aufgrund Polizeiwillkür gegenüber der afroamerikanischen Bevölkerung. Auf die Morde der beiden Rappergrößen folgten auch mehrere Ausschreitungen. Poole kommt dabei der Lösung des Falls immer näher und kann Verbindungen zwischen den Morden und des LAPD herstellen.

18 Jahre später ist Poole suspendiert und wohnt abgewrackt in einer kleinen Wohnung. Der Fall ließ ihn jedoch all die Jahre nicht los. Sein Drang zur Aufklärung der Morde wird dabei wieder geweckt, als er Besuch vom Journalisten Jack Jackson (Forest Whitaker) bekommt. Jackson war an der Berichterstattung zu den Mordfällen ebenfalls beteiligt, genießt wie Poole aber mittlerweile auch eher einen abgehalfterten Ruf. Dennoch rollen beide auf der Suche nach dem Mörder den Fall wieder auf und entwickeln dabei eine kleine Freundschaft. Doch möchte das LAPD überhaupt, dass der Mord endgültig aufgeklärt wird?

Kritik
City of Lies basiert auf dem Tatsachenroman von Randall Sullivan mit dem sperrigen Titel „LAbyrinth: A Detective Investigates the Murders of Tupac Shakur and Notorious B.I.G., the Implication of Death Row Records Suge Knight, and the Origins of the Los Angeles Police Scandal“. Zu seiner damaligen Erstveröffentlichung löste das Buch damals eine große Kontroverse aus, da es das Los Angeles Police Department mit den Morden in Verbindung brachte. Dieser Umstand könnte neben dem Skandal um Johnny Depps Person der Grund dafür gewesen sein, weshalb der ursprünglich geplante Kinostart gecancelt worden ist. Möglicherweise traute man Johnny Depp als Aushängestar des Films nicht zu, den Film erfolgreich zu bewerben aufgrund seines Konfliktes mit seiner Exfrau Amber Heard. Man kann letztlich nur spekulieren, da das Produktionsstudio die Gründe bis heute nicht offengelegt hat.

Ohne großes Aufsehen entschied man sich nun für einen Start im Heimkinosegment und in den USA nur zu einem Kinostart in ausgewählten Kinos. Meist ist das kein gutes Vorzeichen. Das kann auf den ersten Blick etwas verwundern. Schließlich landete das von Christian Contreras geschriebene Drehbuch auf Hollywoods Black List der besten noch unverfilmten Drehbücher. Beim genauen Hinsehen offenbart City of Lies auch, warum es doch mehr für den Heimkinomarkt gemacht ist und weniger für das Kino. Nichtsdestotrotz entpuppt sich das True Crime Drama mit Oscarpreisträger Forest Whitaker und Johnny Depp in den Hauptrollen als kleiner Geheimtipp, dem man auf jeden Fall eine Chance geben sollte.

Die Inszenierung ist ein wenig wie eine True Crime Dokumentation aufgebaut. Ausgangspunkt ist die Neuaufbereitung des Mordfalls durch Journalist Jackson im Jahre 2015. Als pensionierter LAPD Detective erzählt Depp über Rückblickeinschübe zurück in das Jahr 1997 Jackson und uns als Zuschauern den Mordfall nach. Es wird immer wieder zwischen den beiden Zeitebenen gesprungen, wodurch Depp wie in einer True Crime Doku als Stichwortgeber fungiert und neue Erkenntisse in der damaligen Mordermittlung einleitet. Die Regie unter Brad Furman (Der Mandant, The Infiltrator) ist dabei immer nah an den Protagonisten und stellt diese ins Zentrum des Geschehens.

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Dies ist gleichzeitig einer der großen Kritikpunkte, die man City of Lies geben kann. Der starke Fokus auf die Dialoge zwischen den Figuren hinter oftmals verschlossenen Türen und die allgemeine unspektakuläre Inszenierung kann auf den einen oder anderen langweilig wirken. In diesem Fall kann man gut nachvollziehen, warum man letzten Endes auf eine Kinoauswertung verzichtet hat. Der True Crime Ansatz, welchen der Film stringent verfolgt, und das generelle TV Niveau kommen am Ende doch etwas mehr im Heimkino zur Geltung.

Dennoch tut dies der Handlung keinen Abbruch. Drehbuchautor Contreras und Regisseur Furman gelingt es, die Mordfälle und die Ermittlung hierum spannend aufzuarbeiten. Besonders Fans von True Crime Dokus oder Serienformaten wie American Crime Story von Ryan Murphy werden durchaus Anknüpfungspunkte finden. Und auch solche, die sich für die ganzen Geschehnisse um die Tupac und Biggie Smalls Ermordungen interessieren, werden bestimmt Erkenntnisse gewinnen, die sie vorher nicht hatten. Eines sollte man aber vorweg wissen: Eine genaue Antwort auf die Frage nach der Lösung der Mordfälle liefert uns City of Lies nicht. Vielmehr setzt man die Ermittlungen in einen anderen Kontext und überlässt dem Zuschauer, wie er diesen deuten möchte.

Kernstück des Films ist wie eingangs bereits erwähnt die Interaktion zwischen Poole und Jackson. Forest Whitaker und Johnny Depp liefern eine sehr gute Performance ab und beweisen, warum sie zu zwei Größen ihrer Zunft gehören. Insbesondere Johnny Depp weiß zu überzeugen. Es ist erfrischend Depp mal wieder in einer etwas ernsteren Rolle, abseits seiner sonst bekannten ulkigen Blockbusterfiguren wie Jack Sparrow, zu erleben. Er stellt den abgehalfterten, aber dennoch integeren Ermittler mit dem Schnäuzer, welchen den Fall einfach nicht loslässt, authentisch dar. Man kauft ihm einfach in seinen Augen den gealterten Ermittler, der das Vertrauen in seine Instution verloren hat, wenn er beispielsweise im Gerichtsgebäude die Skulptur der Justitia betrachtet. Seine Wandelbarkeit wird auch in seiner äußerlichen Darstellung deutlich. Erkennbar wird das z. B. an seiner für die Rolle „antrainierte“ Wampe und altersbedingte träge Gehweise.

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Leider muss man aber sagen, dass Pooles Beziehung zu seiner Frau und seinen Sohn nicht ausreichend durchleuchtet wird. Was schade ist, da das Drehbuch durchaus mehr hergegeben hätte. Bis auf ein paar Besuche im Baseballstadion, in welchem Pooles Sohn spielt, bleibt da nicht viel hängen. Da verpasst es der Film dann speziell eine Szene am Ende des Films, welche Pooles Sohn betrifft, den Zuschauer emotional abzuholen. Da haben es aktuelle Filme wie The Little Things mit Denzel Washington sowie Rami Malek wesentlich besser hinbekommen, die Auswirkungen von Mordfällen und den unbändigen Willen diese zu lösen auf die Familien und das soziale Umfeld der Ermittelnden zu verdeutlichen. Dies trifft auch auf Whitakers Figur des Journalisten Jack Jackson  zu. Sein soziales Leben wird ebenfalls unzureichend beleuchtet und beschränkt sich mehr auf seinen Arbeitsplatz. Insgesamt steht Depps Figur etwas mehr im Fokus der Handlung.

Im Zusammenspiel mit Johnny Depp funktioniert Forest Whitakers Figur am Besten. Auch wenn man die Entwicklung der beiden Figuren so schon x-mal in anderen Filmen gesehen hat: Es ist trotzdem schön mitanzusehen, wie diese beiden Männer entgegen ihrer anfänglichen Antipathie mit der Zeit aufgrund ihrer gemeinsamen Passion zusammenwachsen. Man kann sich auf jeden Fall vorstellen, dass sich zwischen den beiden späteren Außenseitern wirklich eine tiefe Freundschaft entwickelt hat. Wenn Depps Poole Whitakers Figur beispielsweise auf den Arm nimmt und ihm indirekt Puff Daddy als Mörder präsentiert, kann man sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Speziell wenn man sich weiter mit der ganzen Materie befasst, können diese kleinen Seitenhiebe Spaß machen.

Besonders hervorzuheben ist außerdem die Aktualität von City of Lies. Obwohl der Film zu großen Teilen während der Ermittlungen im Jahre 1997 spielt, werden gesellschaftliche Themen angesprochen, die uns heute noch beschäftigen. Im Besonderen die heutige amerikanische Gesellschaft. Neben Korruption innerhalb der Polizei sowie Gangkriminalität ist das vor allem der Alltagsrassismus, speziell gegenüber der afroamerikanischen Bevölkerungsanteil. Hier und da kann es schon mal plakativ oder wenig innovativ wirken, wenn z. B. Whitakers Figur nur aufgrund seiner Hautfarbe von der Polizei angehalten und drangsaliert wird. Gleichwohl spiegelt es unsere heutige Realität wider, wenn man sich bestimmte Ereignisse aus der näheren Vergangenheit zu Erinnerung führt. Insbesondere in einer Szene wird dies nochmal ersichtlich, wenn dieselbe Polizeigewalt einer anderen Person im Hintergrund passiert, und Depps Figur dies so simpel wie treffend mit dem Satz „Er war zur falschen Zeit am falschen Ort“ kommentiert.

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Fazit
Kann man City of Lies den negativ anbehafteten Ruf des Direct-to-DVD bzw. Direct-to-Streaming Films zusprechen? Die schlichte sowie an manche TV-Krimiserien ähnliche (und in manchen Augen langweilige) Inszenierung wäre ein Punkt. Ebenso verpasst das Drehbuch es, seinen Figuren noch mehr Raum zur Entwicklung zu geben und deren Familienverhältnisse weiter zu erforschen. Am Ende fällt City of Lies aber mehr in die Kategorie Geheimtipp, den man anfangs nicht auf der Rechnung hatte. Die durchaus spannend aufbereiteten Mordfälle mit all ihren Verzweigungen und das gut aufspielende Hauptdarstellerduo, besonders Johnny Depp, sorgen für eine kleine True Crime Empfehlung. Abschließend lässt sich ähnlich dem im Film oft zitierten Satz von Robert Kennedy festhalten, dass City of Lies vielleicht nicht einer der Filme ist, die das Kino verdient gehabt hätte. Jedoch ist es einer der Filme, für die es zumindest Johnny Depps Performance verdient hätte, dass er die entsprechende Anerkennung erhält.

Seit dem 12. August könnt ihr City of Lies auf den gängigen Streamingdiensten wie iTunes oder Amazon Prime digital erwerben. Ab dem 26. August ist dies auch in Blu-Ray und DVD Form möglich.

Was sagt ihr zu City of Lies? Kann der Plot um die bekannten Morde an Tupac und Biggie euer Interesse wecken? Falls ja, wie hat euch Johnny Depp in einer zur Abwechslung mal wieder ruhigen Rolle gefallen? Schreibt es uns gerne in die Kommentare. Wir freuen uns auf eure Meinung zum Film!

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