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Kritik zu „The Flight Attendant“ Staffel 1

© HBO Max

Ende letzten Jahres startete das HBO Max Original The Flight Attendant mit The Big Bang Theory Star Kaley Cuoco in der Hauptrolle zum Start des neuen Streamingdienstes bereits erfolgreich in den USA. Am 23. April ist die Serie nun auch endlich hierzulande bei Amazon Prime erschienen. Doch was macht die Serie mit dem ungewöhnlichen Mix aus Hitchcock Thriller und schwarzer Comedy so besonders? Achtung, Spoiler!

Inhalt
In ihrer neuen Hitserie The Flight Attendant schlüpft Kaley Cuoco in die Rolle von Cassie Bowden. Cassie ist Flugbegleiterin und führt ein exzessives Partyleben nebenbei. Der Alkohol ist dabei ihr ständiger Begleiter und die Männer wechseln sich ebenfalls von Abend zu Abend regelmäßig ab. Während eines Fluges nach Thailand lernt Cassie jedoch den attraktiven Geschäftsmann Alex Sokolov (Michiel Huisman) kennen. Zwischen beiden funkt es sehr schnell, woraufhin sie die Nacht in Bangkok zusammen verbringen. Am nächsten Morgen beginnt aber der Alptraum schlechthin für Cassie: Nicht nur findet sie Alex blutüberströmt mit durchgeschnittener Kehle tot auf dem Bett vor. Sie hat auch mit Erinnerungslücken zu kämpfen.

Voller Panik und mit dem Wissen, dass sie in den Augen der thailändischen Regierung wie die wahrscheinliche Täterin aussieht, versucht Cassie die allernötigsten Beweise, welche auf ihren Hotelaufenthalt hindeuten könnten, zu beseitigen. Ohne groß Verdacht zu schöpfen, schafft sie es auch nach einem Zwischenaufenthalt in Seoul nach New York zurück. Dort werden sie und ihre Kollegen aber bereits vom FBI am Flughafen erwartet, da die Nachricht des Mordes an Alex schon die amerikanischen Behörden erreicht hat. Im Zuge der Befragung kann sich Cassie langsam an wichtige Momente, die sich am Abend vor Alex Tod zugetragen haben, zurückerinnern. Fortan macht sie sich selbst auf die Suche nach dem Täter und wird dabei nicht nur von Freunden wie ihrer schlagfertigen Anwältin Annie (Zosia Mamet) unterstützt, sondern sogar von Alex selbst, welcher ihr in ihrer Vorstellung immer wieder begegnet.

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Kritik
Für Kaley Cuoco bedeutet The Flight Attendant ein neues Kapitel in ihrer Schauspielkarriere. Es ist ihr erstes große neue Engagement nach ihrer beliebten Rolle der Penny in der langlebigen Sitcom The Big Bang Theory. Die Handlung der Serie basiert auf dem gleichnahmigen Roman von Chris Bohjalian. Von diesem war Cuoco dabei nicht nur so sehr überzeugt, dass sie selbst in die Hauptrolle schlüpfen wollte, sondern sie fungiert neben Arrowverse Schöpfer Greg Berlanti auch als ausführende Produzentin des Stoffes.

Und bisher zahlte sich dieses Vertrauen aus: The Flight Attendant avancierte schnell zum beliebtesten Format auf dem Ende letzten Jahres in den USA neu gestarten Streamingdienst HBO Max. Dies hatte zur Folge, dass die ursprünglich als Miniserie geplante Thrillerkomödie um eine zweite Staffel verlängert worden ist. Ähnlich wie HBOs Hitserie Big Little Lies. Außerdem hagelte es beachtenswerte Golden Globe Nominierungen in den Kategorien Beste Serie – Komödie/Musical und Beste Serien-Hauptdarstellerin – Komödie/Musical für Kaley Cuoco.

Doch woher rührt der Hype genau? Nun, das liegt vor allem an dem ungewöhnlichen Genremix aus spannendem Hitchcock Thriller und schwarzer Komödie. Alfred Hitchcock ist dabei auch ein gutes Stichwort. Die Inspiration aus Klassikern wie Der unsichtbare Dritte sind nicht von der Hand zu weisen und durchaus berechtigt. Wie die Hauptfigur dort wird Cassie ebenfalls durch einen unglücklichen Zufall in eine Situation hineinmanövriert, die sich im Laufe der Handlung zu einem fast schon weltumspannenden Spionagethriller entwickelt. Ein cleverer Kniff der Autoren ist es auch, dass sie die Ermittlungen in Cassies Kopf stattfinden lassen. Sherlock ähnlich versucht Cuocos Figur in ihrem eigenen Gedankenpalast ein Puzzleteil nach dem anderen zusammenzusetzen, um das Rätsel von Alex Mord zu lösen.

Die Story verschlägt es dabei neben Bangkok, Seoul und New York in die ewige Stadt Rom. Die Macher um Cuoco und Berlanti schaffen es immer wieder den Zuschauer durch Wendungen sowie Enthüllungen zu überraschen und für eine durchweg spannende Handlung bis zum Ende zu sorgen. Zwar gibt es die eine oder andere Länge, die etwas auf der Stelle treten innerhalb der Handlung (speziell Folge 6). Und auch die letzte Folge mit ihrer finalen Konfrontation fällt etwas zu klassisch aus, was im Hinblick auf die kreative Erzählung  schade ist. Dies lässt sich aber im Hinblick auf die Gesamtlänge der Staffel mit ihren 8 Folgen durchaus verschmerzen, da diese dann im Gesamtkontext doch nicht so sehr schwer wiegen.

Erfrischend ist in diesem Zusammenhang der bereits erwähnte eingestreute kreative Einsatz von schwarzem Humor in den meisten Szenen. Das wird bereits in der ersten Folge deutlich, wenn Cassie gerade die Leiche von Alex entdeckt hat und dieser eigentlich schreckliche Moment immer wieder durch ihren „Wake Me Up Before You Go-Go“ Handyklingelton von Wham aufgeweicht wird. Ebenso tragen die Nebenfiguren wie Cassies beste Freundin Annie und ihr Freund Max oder Alex in Cassies Gedanken für eine Auflockerung des Geschehens bei. Den zentralen Platz nimmt aber wie nicht anders zu erwarten Kaley Cuoco ein.

Ohne Zweifel kann man festhalten, dass Cuoco es schafft sich von ihrer Kultrolle als Penny zu emanzipieren und für vielschichtigere Rollen zu empfehlen. Anfangs kommt sie dabei nicht wirklich als sympathische Hauptfigur rüber. Sie handelt überwiegend irrational und verhält sich ihren Freunden und Kollegen gegenüber oft unfreundlich. Außerdem schreckt sie nicht davor zurück ihre Mitmenschen zu belügen, um in ihren Ermittlungen weiter voranzukommen. Nicht zu vergessen ihr ausschweifender Alkoholkonsum. Im Fortlauf der Handlung erfährt man aber, dass der Grund für Cassies dysfunktionalem Verhalten und ihrem Hang zum Alkohol in ihrer Kindheit liegt. Damit verbunden ist insbesondere ein Hase als durchgehendes Leitmotiv, welcher Cassies traumatische Vergangenheit immer wieder triggert. Dieses Handlungsstück erinnert u. a. an den Hitchcock Klassiker Marnie, bei dem die Farbe Rot eine wichtige Verbindung zu ihrer Hauptfigur hat.

Nichtsdestotrotz fiebert man bis zum Ende mit Cuocos Hauptfigur mit und möchte erfahren, wer und warum hinter Alex Tod steckt. In diesem Zusammenhang ist ihre Interaktion mit Alex essentiell für die Gesamthandlung. Obwohl dieser bereits in der ersten Folge das Zeitliche segnet, kann Cassie mittels ihres eigenen Gedankenpalastes mit Alex kommunizieren. Als Schauplatz fungiert dabei das Hotelzimmer, in welchem Alex verstarb. Gut durchdacht ist hierbei, dass Alex, obwohl er als Opfer theoretisch mehr zum Tathergang wissen müsste, nicht viel zur Mordermittlung beitragen kann. Schließlich ist er nur ein Konstrukt in Cassies chaotischer Gedankenwelt. Eine schöne Idee der Autoren ist es außerdem, wie Alex Cassie oft den eigenen Spiegel vorhält, damit sie sich gezwungenermaßen mit ihrem eigenen Verhalten sowie ihrer problematischen Vergangenheit auseinandersetzen muss.

Dieser große Fokus auf Cuocos Figur hat allerdings einen Nachteil: Viele der Nebenfiguren und ihre Nebenstränge kommen einfach zu kurz oder sind einfach nicht fesselnd genug. So ist der Handlungsstrang um die beiden FBI Ermittler Hammond sowie White eher uninteressant. Oft ertappt man sich dabei, dass man lieber mehr zu Cassie und ihren Ermittlungen sehen möchte. Andere Nebenschauplätze wie der Plot über Industriespionage um Rosie Perez Figur Megan sind leider nicht genügend ausgeleuchtet. Genauso wie die Ereignisse rund um Cassies Freundin Annie. Ihr Handlungsstrang um den schwierigen Gefallen, den sie als Anwältin für einen zwielichtigen Klienten einlösen soll, wirkt eher deplatziert. Oder als Mittel zum Zweck, damit bestimmte Vorgänge im Drehbuch später folgerichtig eintreffen können.

Verglichen mit allen anderen fällt der Nebenhandlungsstrang um Cassies Bruder Davey am Besten aus. Greys Anatomy Star T. R. Knight gelingt es, seiner Figur das schwierige Verhältnis zu seinem und Cassies Vater greifbar darzustellen. Dieses komplizierte Verhältnis hat eine nicht ungewichtige Verbindung zu seiner Schwester. Man kann aus diesem Grund gut nachvollziehen, warum es ihm schwerfällt, eine gesunde Beziehung zu seiner nicht gerade zuverlässigen Schwester herzustellen. Insbesondere wegen seiner zwei Töchter.

Positiv hervorzuheben sind auch die Inszenierungstechniken, mit denen in The Flight Attendant gearbeitet wird. Vergleichbar wie in anderen Spionagefilmen oder -serien wie der Bourne Reihe oder 24 wird viel mit Splitscreen Einstellungen gespielt. Schön sind unterdies die Szenenübergange, die oftmals durch Telefonanrufe ausgeführt werden. Da wird Cassie beispielsweise von ihrer Kollegin Megan vergeblich angerufen und die Szene wechselt dann von einem Bild zum anderen. Solche inszenatorischen Spielereien kann man immer wieder finden. Das sorgt definitiv für ein schönes und mal wieder innovatives Sehvergnügen für den einen oder anderen Serienjunkie. Nicht zu vergessen die dezente Musikuntermalung von Komponist Blake Neely. Die Sounds und Tonstücke tragen viel zur im Verlauf entstehenden Spionageatmosphäre bei. Ein Highlight ist auch der Vorspann, der in seiner Machart wohlige James Bond Vibes vermittelt.

Fazit
Mit The Flight Attendant beweist Kaley Cuoco den richtigen Riecher für einen einzigartigen Serienstoff. Obendrein kann sie nach The Big Bang Theory endlich zeigen, was schauspielerisch in ihr steckt. Sie schafft es, einer auf den ersten Blick unsympathischen Figur wie Cassie ausreichend Tiefe und Sympathie einzuhauchen. Darüber hinaus weiß die ungewöhnliche Mischung aus Thriller, Spionage sowie Comedy insgesamt zu überzeugen. Hinzu kommt, dass bekannte Hitchcock Motive schön in die Handlung eingebettet werden. Ein wunderbarer Beweis dafür, dass diese auch heute noch in der modernen Serien- oder Filmwelt funktionieren können. Den Gesameindruck trüben da leider nur die in den Hintergrund geratenden Nebenfiguren. Es bleibt zu hoffen, dass HBO Max dies in der zweiten Staffel besser angeht. Das Potenzial dafür ist am Ende der Staffel auf jeden Fall vorhanden.

Die erste Staffel von The Flight Attendant enthält 8 Folgen und kann seit dem 23. April im Abo von Amazon Prime gestreamt werden.

Wie hat euch die erste Staffel gefallen? Kann Kaley Cuoco eurer Meinung nach auch in einer ernsteren Rolle überzeugen? Oder sollte sie doch eher bei Comedy Formaten wie The Big Bang Theory bleiben? Schreibt es mir doch gerne in den Kommentaren. Ich freue mich auf eure Meinung!

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Kommentare

Jonas
@JAK2501

ich finds mega witzig, dass in der deutschen Synchro sowohl Sheldons als auch Amys Stimme vorkommen

Edit
@Edit

An man sich anschauen

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