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Charakteranalyse: Sherlock Holmes [Spoiler]

© BBC

Vielschichtige Charaktere sind wichtig, aber leider nicht immer vorhanden. Wir analysieren für Euch jede Woche die bekanntesten und beliebtesten Figuren aus Filmen und Serien, wobei wir nur auf die Handlungen eingehen, wenn sie zur Erklärung unserer Eindrücke dienen. Achtung, Spoiler!

1886 erschuf Sir Arthur Conan Doyle seinen Meisterdetektiv und die wohl berühmteste literarische Figur, Sherlock Holmes. Holmes ist für seine außergewöhnliche Arbeitsmethode bekannt, die auf detailgenauen Beobachtungen und Fachwissen aus allen möglichen Bereichen, unter Anderem der Forensik und den verschiedensten Kulturen, und auf einer nüchternen Schlussfolgerung beruht. Bis heute steht sein Name als Synonym für erfolgreiche, analytisch-rationale Denker. Doyle hat insgesamt 56 Kurzgeschichten und vier Romane rund um die Kunstfigur geschrieben, die vielen Verfilmungen als Grundlage dienen.

Sherlock Holmes aus der BBC-Serie „Sherlock“ wirkt im ersten Moment nicht sonderlich sympathisch. Scotland Yard zieht ihn aufgrund seiner Arbeitsmethoden oft zu Rate, beliebt ist er aber nicht. Sherlock ist überheblich und arrogant und beweist nur äußerst selten Sensibilität im Umgang mit seinen Mitmenschen. Er hat kein Verständnis für Gefühle wie Freundschaft oder Liebe und warum jemand nach dieser Art von Glück strebt.

Genie und Wahnsinn liegen bekanntlich nahe beieinander, Sherlock Holmes ist ein perfektes Beispiel dafür. Er ist in der Lage, die kniffligsten Kriminalfälle zu lösen. Seine Arbeit ist beeindruckend und verblüfft die Menschen um ihn herum jedes Mal. Doch wenn er in einem Fall mal nicht weiterkommt, sieht er in dem Konsum von Drogen seinen letzten Ausweg, was seiner psychischen Verfassung immens schadet.

Zwischen all den Kuriositäten, den Nervenzusammenbrüchen und den ruhigen Momenten in Holmes‘ Leben gibt es eine Konstante, von der er stets unterstützt wird und das ist sein Mitbewohner und Assistenten Dr. John Watson (Martin Freeman). Trotz Holmes‘ arroganter Art findet der ehemalige Militärarzt einen Weg mit ihm umzugehen und wirkt oft als Vermittler zwischen der Polizei und dem Privatdetektiv. Im Verlauf der Serie gelingt es Watson, dass Holmes seinen Mitmenschen gegenüber offener wird und die Beiden werden zu treuen Freunden.

Auch Holmes‘ Familie spielt eine Rolle in der Serie. Die Beziehung zwischen Sherlock und seinem älteren Bruder Mycroft (Mark Gatiss), der für die britische Regierung arbeitet, ist äußerst kompliziert. Intellektuell steht Mycroft Sherlock in nichts nach und ist ihm vielleicht sogar überlegen, weshalb es immer wieder zu Wettstreiten zwischen den Beiden kommt. Die offenkundige Abneigung der Brüder ist von Seiten des Älteren aber nur Schau, er sorgt sich wirklich um das Wohl des Jüngeren. Im Verlauf der Serie müssen sie immer Öfter zusammenarbeiten, was sie einander näherbringt. Im Gegensatz zu Sherlock verfügt Mycroft über eine deutlich bessere Sozialkompetenz, trotzdem wird auch sein Privatleben aufgrund seines Intellekts von Einsamkeit bestimmt.

Eine weitere wichtige Figur für Sherlock Holmes ist Professor Jim Moriarty (Andrew Scott), der bereits ab der ersten Folge als Strippenzieher eingeführt wird und besessen von dem Meisterdetektiv ist. Auch er ist außergewöhnlich intellektuell, bei ihm hat der Wahnsinn das Genie allerdings überholt. Im Verlauf der Geschichte kristallisiert sich heraus, dass er ein internationales Verbrechernetz aufgebaut hat, um sein Idol herauszufordern. Und selbst nach seinem Tod schafft es Moriarty, Sherlock weiterhin auf Trab zu halten.

In der TV-Serie wurde Holmes von Benedict Cumberbatch dargestellt. Sein markantes Aussehen passt perfekt sowohl zum von Doyle erdachten Aussehen als auch zum Charakter der Figur. Auch schauspielerisch liefert der Brite eine ausnahmslos perfekte Darbietung und beweist, dass er ein hervorragender Charakterdarsteller ist.

Sherlock Holmes ist besonders in der Filmbranche eine sehr beliebte Kunstfigur. 2009 und 2011 schlüpfte Robert Downey Jr. in die Rolle des britischen Meisterdetektiven und verlieh ihm eine leicht aufgedrehte Art, während BBCs Sherlock trotz der Arroganz für mich eine charakterlich stärkere Figur ist. Ein dritter Film ist in Arbeit und soll 2021 in die Kinos kommen.

2020 erschien der Netflix-Film „Enola Holmes“, basierend auf der Jugendromanreihe von Nancy Springer. Sherlock wird hier von Henry Cavill verkörpert, doch diesmal bekommen wir nicht viel von seiner Arbeit als Meisterdetektiv zu sehen. Da seine kleine Schwester Enola (Millie Bobby Brown) im Mittelpunkt der Geschichte steht, liegt das Augenmerk bei seiner Figur auf der Beziehung der Beiden und seiner Liebe zu ihr. Ich persönlich finde diesen Sherlock Holmes sehr gut gelungen und würde mich sehr über eine Fortsetzung freuen.

Streamen könnt Ihr die Serie „Sherlock“ bei Netflix. Eine weitere Charakteranalyse gibt es nächste Woche hier bei ScreenFlash.

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