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Charakteranalyse: Stefan und Damon Salvatore [Spoiler]

© The CW

Vielschichtige Charaktere sind wichtig, aber leider nicht immer vorhanden. Wir analysieren für Euch jede Woche die bekanntesten und beliebtesten Figuren aus Filmen und Serien, wobei wir nur auf die Handlungen eingehen, wenn sie zur Erklärung unserer Eindrücke dienen. Achtung, Spoiler!

Die CW Serie „The Vampire Diaries“ basiert auf der gleichnamigen Buchreihe von Lisa J. Smith und konnte vom Erfolg der „Twilight“-Saga profitieren. Im Mittelpunkt steht die Schülerin Elena Gilbert (Nina Dobrev), die durch einen Autounfall ihre Eltern verloren hat. Nach einem harten Sommer versucht sie einen Weg zurück ins normale Leben zu finden, doch das neue Schuljahr startet mit der Ankunft des mysteriösen Stefan Salvatore (Paul Wesley). Elena findet sich plötzlich in der übernatürlichen Welt ihrer Heimatstadt wieder, die dazu noch ein großer Teil ihrer Familiengeschichte ist.

Stefan Salvatore ist groß, gutaussehend, sportlich, intellektuell, freundlich und hilfsbereit. Den täglichen Kampf gegen das Verlangen nach frischem Menschenblut, der an seinen Nerven zehrt und ihm volle Konzentration abverlangt, merkt man ihn nicht an. Eine Beziehung mit einem Menschen und sein ihn ständig herausfordernder Bruder sind dabei keine große Hilfe, trotzdem gibt er sich und Elena eine Chance und Damon muss er wohl oder übel hinnehmen. Um ein normales Leben unter Menschen führen zu können, ist er auf Tiere als Nahrungsquelle umgestiegen, was ihn im Vergleich zu anderen Vampiren deutlich schwächt.

Auch Damon Salvatore (Ian Somerhalder) ist ein großer, gutaussehender und sportlicher Vampir – das war’s aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Er genießt sein unsterbliches Dasein, er ist gewaltbereit, nie um eine Ausrede verlegen und stets auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Damon ist ein typischer Playboy und wirkt im Gegensatz zu Stefan nicht sehr emotional, doch mit jeder Folge stellt man fest, dass er der emotionalere der Beiden ist. Besonders markant ist sein Humor, bei dem er viele Metaphern und Vergleiche benutzt, mit dem er aber nur den Zuschauer zum Lachen bringt.

Das sterbliche Leben der Brüder war durch den frühen Verlust der Mutter und die Strenge des Vaters, aber auch durch eine tiefe Liebe zueinander geprägt. Auch die langen Trennungen während des Bürgerkrieges, in dem Damon an vorderster Front kämpfte, schadeten der Beziehung nicht. 1864 zerstörte Katherine Pierce (Nina Dobrev) die geschwisterliche Verbundenheit. Beide Männer verliebten sich in die Vampirin, mit Beiden begann sie eine Affäre. Der Konflikte eskalierte nach der Verwandlung der Brüder. Sie hielten Katherine für tot, Stefan konnte sich schon damals nicht kontrollieren und brachte Damon dazu, ebenfalls Blut zu trinken. Und obwohl es so aussah, dass die Salvatore-Brüder auf ewig verfeindet bleiben würden, fanden sie durch Elena wieder zueinander.

Sowohl Stefan als auch Damon haben große Schwächen. In Stefans Fall ist es die Gier nach frischem Menschenblut, die er die meiste Zeit erfolgreich unterdrückt. Gelingt ihm das nicht, wird er zum „Ripper“, der ohne Gnade ganze Dörfer auslöscht. Trotz abgeschalteter Menschlichkeit bereut Stefan seine Taten.

Damons Schwäche sind seine Emotionen, die er oft nicht unter Kontrolle hat. Er kann mit seelischen Verletzungen wie z.B. dem Verlust eines Freundes oder Zurückweisung nur schwer umgehen, was ihn unberechenbarer und gefährlicher macht.

Viele Fans waren enttäuscht von dem Serienfinale. Während Damon und Elena ihr Happy End bekommen, stirbt Stefan den Heldentod. „Stefan hat den Tod nicht verdient“, schrieben die Fans in den sozialen Netzwerken. Ich kann ihre Frustration nachvollziehen, kann ihnen aber nicht ganz zustimmen. Schon früh wurde klar, dass Stefans sehnlichster Wunsch ein langes sterbliches Leben war, mit Allem was dazu gehört. Er hat zwar nicht ganz das bekommen, was er wollte, aber er konnte als Mensch sterben und seinen Frieden finden. Damon, der immer einfach nur geliebt werden wollte, hat mit Elena genau das Leben gefunden, das ihn glücklich gemacht hat.

Bücher zu verfilmen ist immer eine heikle Sache. Auf der einen Seite hat man einen fertigen Stoff und eine bereits vorhandene Fanbase. Doch genau da liegt auch das Problem. Millionen Menschen haben genaue Vorstellungen von der Storyline, den Schauplätzen und den Charakteren. Ich kann verstehen, dass Fans von Veränderungen nicht immer begeistert sind, aber nicht alles lässt sich visuell umsetzen oder eignet sich für einen Film oder eine Serie. So wurden z.B. Namen abgeändert, aus Stefano wurde Stefan und aus der Stadt Fell`s Church wurde Mystic Falls.

Ich habe die Bücher gelesen, bevor die Serie erschienen ist und ich muss zugeben, dass von den Büchern nicht sehr viel hängen geblieben ist. Meiner Meinung nach war es die richtige Entscheidung, sich nur an die grobe Grundgeschichte zu halten.

Genau wie Nina Dobrev musste sich Paul Wesley der schwierigen Aufgabe stellen, drei verschiedene Charaktere zu spielen, Stefan hatte sogar zwei verschiedene Persönlichkeiten. Seine Wandlungsfähigkeit wurde in jeder Folge auf’s Neue herausgefordert. Doch auch Ian Somerhalder konnte durch die vielschichtigen Facetten seiner Rolle und deren charakterliche Weiterentwicklungen seine ausgezeichneten schauspielerischen Leistungen unter Beweis stellen.

„The Vampire Diaries“ hat mich durch meine Jugend begleitet und in die Welt der Serien eingeführt, die Geschichte und ihre Charaktere werden für immer einen ganz besonderen Stellenwert in meinem Leben haben. Und egal, wie man zu Buchverfilmungen steht: bevor man über ein Projekt und die Schauspieler urteilt, sollte man sich erst das Endprodukt angucken!

Streamen könnt Ihr alle acht Staffeln von „The Vampire Diaries“ bei Netflix. Eine weitere Charakteranalyse gibt es nächste Woche hier bei ScreenFlash.

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