Veröffentlicht am Schreib einen Kommentar

Charakteranalyse: Scar von König der Löwen [Spoiler]

© Disney Studios

Vielschichtige Charaktere sind wichtig, aber leider nicht immer vorhanden. Wir analysieren für Euch jede Woche die bekanntesten und beliebtesten Figuren aus Filmen und Serien, wobei wir nur auf die Handlungen eingehen, wenn sie zur Erklärung unserer Eindrücke dienen. Achtung, Spoiler!

In meiner heutigen Analyse geht es um Scar aus Der König der Löwen. Ich werde an dieser Stelle auf eine kurze Inhaltsangabe des Filmklassikers verzichten, der mit dem Brudermord den brutalsten Höhepunkt in der Geschichte der Disney Studios hat. Zudem basiert die Analyse diesmal viel auf Spekulationen, da es keine eindeutigen Informationen über Scars Vergangenheit gibt.

Was wissen wir über Scar?
Er ist der jüngere Bruder des Königs Mufasa und lebt bei den Hyänen im Exil. Er ist kleiner und schmächtiger als sein Bruder, hat ein rotbraunes Fell und eine pechschwarze, nicht voluminöse Mähne. Zu seinem markanten Aussehen gehören auch die stechend grünen Pupillen und die Narbe, die sich über sein linkes Auge zieht. Über den Ursprung der Narbe wissen wir nichts, ich vermute aber, dass sie aus einem familieninternen Kampf stammt. Die immer ausgefahrenen Krallen sind für mich ein Zeichen von Angst und der Versuch sich zu schützen. Scars ganzes Erscheinungsbild hat nicht nur etwas Finsteres, es ist das Spiegelbild der Umgebung, in der er lebt und das perfekt getroffene Gegenteil zum Aussehen der Helden der Geschichte.

Die aufgrund einer mangelhaften Ernährung fehlende Muskelmasse gleicht Scar durch Intelligenz wieder aus. Seinen Hunger auf Macht stillt er durch die Verbindung mit den Hyänen, die er durch seine manipulative Art zu seinem treuen Gefolge macht. Sarkasmus rundet seinen Charakter ab und macht ihn besonders für den gutgläubigen Simba so gefährlich.

Die Familie
Über die Beziehung der Brüder Mufasa und Scar ist uns nichts bekannt, ich glaube aber, dass die Beiden einst eine sehr enge Bindung hatten. Dafür spricht Mufasas Besuch nach der Taufzeremonie. Mal davon abgesehen, dass Scar sowas wie Anwesenheitspflicht hatte, geht aus den Dialogen zwischen den beiden Löwen und dem König und seinem Berater Zazu für mich hervor, dass Mufasa seinen Bruder nicht weniger wertschätzt als die anderen Löwen und er sich sogar Sorgen um ihn macht.

Simba war als Kind nicht in der Lage, die Verbitterung und bösen Absichten seines Onkels zu erkennen, dadurch war es ein Leichtes für Scar, dem jungen Löwen Schuldgefühle einzureden. Die Manipulation und grundlegende, seelische Zerstörung eines trauernden Kindes empfinde ich schlimmer als den Brudermord, daher erreicht Scar für mich an dieser Stelle der Geschichte seinen sadistischsten Höhepunkt.

Studiointerne Charakterinformationen
Disney hat durch Fortsetzungen und Spin-Offs verschiedene Versionen für eine mögliche Vergangenheit ihres wohl fiesesten Antagonisten geschaffen. In „König der Löwen: Simbas Königreich“ wird Scar rückwirkend zum Anführer eines ausgestoßenen Löwenrudels gemacht und als möglicher Vater von Kovu gehandelt. Der sieht zwar aus wie eine junge Version von Scar, allerdings ist die einzige Quelle für diese Behauptung eine nicht vertrauenswürdige, rachsüchtige Löwenmutter.

In „A Tale of Two Brothers“, dem ersten Band der Buchreihe „The Lion King: Six New Adventures“, wächst Scar unter dem Namen Taka und im Schatten seines älteren Bruders auf. Er ist neidisch auf Mufasa, da er der zukünftige König werden soll. Für mich ist dies die logischste Version, allerdings hat sie auch einen großen Haken. In Königshäusern ist es Tradition, dass der erstgeborene Sohn der Thronfolger wird. Scar ist mit diesem Wissen aufgewachsen und wurde dementsprechend erzogen.

In der Realverfilmung von 2019 hat Disney durch neu hinzugefügte Szenen nachträglich eine Hintergrundgeschichte für Scar geschaffen. Da ich den Film nicht gesehen habe, kann ich an dieser Stelle nicht weiter darauf eingehen.

Mein Fazit
Für den „König der Löwen“ hat Disney den grausamsten aber auch brillantesten Bösewicht im Rahmen ihrer Original Filme erschaffen. Was ihm an körperlicher Stärke fehlt, kompensiert er mit Klugheit. Scars einzigartiger Charakter wird in jeder Szene mit jedem Satz und ganz besonders mit der unverkennbaren Stimme von Thomas Fritsch, perfekt inszeniert. Einen schlimmeren aber auch genialeren Bösewicht hat es in der Disney Historie weder vor noch nach dem „König der Löwen“ gegeben.

Fun Fact
Scar wurde von einem Deutschen gezeichnet, genauer gesagt von dem in meiner Heimatstadt (Anm. d. Redaktion: von unserer Autorin Mandi) aufgewachsenen Andreas Deja.

Wer den „König der Löwen“ nicht schon im DVD- oder vielleicht sogar VHS-Regal stehen hat, kann sich sowohl den Originalfilm von 1994, aber auch die Realverfilmung auf Disney+ ansehen. Eine weitere Charakteranalyse gibt es nächste Woche hier bei ScreenFlash.

Weitere News

Kommentare

Noch keine Kommentare hinterlassen. Lade dir die App runter und teile deine eigene Meinung.