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[Spoiler] Review zu Westworld: Parce Domine

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Nach fast zwei Jahren des Wartens meldet sich Westworld mit der dritten Staffel zurück und präsentiert uns das Leben außerhalb der Themenparks. Wie gelungen ist der Auftakt in die reale Welt? Achtung, Spoiler!

Die zwei vorherigen Staffeln von Westworld zeichneten sich unter anderem durch die parallele Erzählung verschiedener Timelines aus, welche bei den Zuschauern häufiger mal für Verwirrung sorgten. Im Vorlauf auf die neue Staffel verrieten Jonathan Nolan und Lisa Joy, die Kreativen hinter der Serie, dass es diesmal weniger auf ein Ratespiel hinauslaufen wird. So präsentiert uns der Auftakt der dritten Staffel einen zeitlich sehr chronologischen und nachvollziehbaren Aufbau. Die Handlungsstränge sind hier durch die Charaktere und deren örtliche Lage aufgeteilt.

Doch nicht nur die Erzählweise scheint einen neuen Ansatz zu verfolgen, denn die Serie verlässt auch das bekannte Westerngelände und bringt die verbliebenen Hosts raus in die echte Welt. Weg von den Pferden und der Cowboymontur und rauf auf das futuristische Motorrad.

Dolores im Rausch der Rache

Allein der Cold Opener zeichnet den düsteren Pfad dieser Science-Fiction Welt vor, auf den uns die Folge namens „Parce Domine“ mitnimmt. Zu dröhnenden Techno-Sounds macht sich Dolores im Dunkeln bereit für den ersten Akt ihres Rachefeldzuges. Dabei besucht sie einen ehemaligen Gast des Westworld-Parks in seinem hochgeschützten Wohnsitz und stellt ihm mithilfe eines Brillen-Gadgets seine Fehler dar. Anschließend klaut sie genügend Geld und seine gespeicherten Akten über das Incite-Unternehmen, ehe er in seinem eigenen Pool stirbt.

Weiter geht es für sie nach London, wo sie ihren verführerischen Charme spielen lässt, um sich mit dem CEO von Incite, Liam Dempsey Jr, anzubündeln. Sie erhofft sich Informationen von ihm. So steckt doch seine Tech-Firma hinter dem Projekt Rehoboam. Ein System, welches aufgrund von Algorithmen den Menschen in dieser modernen Welt Struktur verleihen soll. Einst erdacht von Liams Vater.

Doch wie sich herausstellt, ist Liam ihr keine große Hilfe. Er konnte sich wohl nie aus dem Schatten seines Vaters befreien. Er weiß selber nicht genau, wie das System funktioniert und was es tut. Nur der Architekt wüsste das, aber bevor er ihr dessen Name verraten kann, pirscht sich sein Bodyguard an Dolores ran und tasert sie.

Für ihre sonstige Überlegenheit bezüglich der Menschen scheint es fast absurd, dass sich jemand an sie heranschleichen kann, um ihr einen ordentlichen Elektroschock zu verpassen. Aber wie sich später herausstellt, agiert sie weiterhin mit Kalkül.

Der Bodyguard samt seinem vielköpfigen Team verfolgen den Treffpunkt ihrer geplanten Verabredung, doch niemand kreuzt dort auf. Im Wagen soll sie schließlich zu Tode sediert werden, indem man sie mit einem Stoff vollpumpt. Diesen Stoff brachte zuvor Caleb als Gelegenheitskurier vorbei. Man geht bei ihr jedoch fatalerweise von einem normalen Menschen aus. Das Mittel wirkt nicht, sodass sie das Ruder rumreißen kann und einem nach dem anderen ausknipst, ohne dabei jegliche Skrupel zu zeigen.

Sie verfolgt anschließend den Bodyguard, der sich bereits auf die Flucht gemacht hat. Bei dessen Überwältigung offenbart sich auch die Person, mit der Dolores verabredet war. Es handelt sich dabei um den Bodyguard selber – nur als Hostform.

Im Sinnbild der religiösen Bezeichnungen des Folgentitels und des Namens des Systems (Rehoboam), bezeichnet sie sich selbst als eine Art Gott. Dolores macht also Ernst, wenn sie davon spricht die nächste Evolutionsstufe der Menschen einzuleiten.

Caleb in den Fängen der Technologie

Die technologisch strukturierte Welt macht auch Caleb zu schaffen. Das System meint es mit dem Veteranen nicht gut. Einen Job, bei welchem er anständig verdienen könnte, ist ihm nicht vergönnt, weil er nirgendswo hundertprozentig reinzupassen scheint. Um trotzdem für die Pflege seiner an Alzheimer erkankten Mutter aufkommen zu können, sucht er nachts mittels einer App nach kriminellen Aufträgen.

Zu seinem Veteranenstatus, seiner kranken Mutter und der Unterbezahlung in seinem Job, gesellt sich noch ein im Einsatz verstorbener Freund, womit sich das Quartett der Klischees einer kriminellen Laufbahn schließt. Trotzdem schafft es die Einführung dieses Charakters uns die vielen Tücken dieser Welt aufzuzeigen.

In einer Black-Mirror-esken Montage sehen wir ihn, wie er täglich versucht seinen Tag zu bewältigen. Ein gewisser Francis versucht ihn währenddessen ständig telefonisch zu erreichen. Wie sich am Ende herausstellt, handelt es sich hierbei um seinen verstorbenen Freund, der jetzt als K.I. mit ihm telefonieren soll, um sein Trauma zu bewältigen. Eine Art Twist, den man bei Westworld hinter jeder Ecke vermutet. Dessen ungeachtet weiß diese Wendung uns emotional zu treffen.

Caleb scheint in dieser technologisierten Welt verloren. Als er bei einem seiner illegalen Tätigkeiten auf Dolores stößt, erweckt es den Anschein von Bestimmung. Ironisch in Anbetracht dessen, dass es in Westworld viel um vorherbestimmte Pfade geht. Können sie sich zusammen aus diesen Fängen befreien?

Bernard auf der Flucht

Wir erinnern uns, dass Charlotte Hale am Ende der zweiten Staffel nicht mehr Charlotte war, sondern Dolores im Körper von Charlotte. In dieser Folge nimmt sie am Delos-Meeting teil. Es herrscht großer Aufruhr aufgrund der zerstörerischen Ereignisse in Westworld, die wir in der zweiten Staffel zu sehen bekamen. Sie schafft es die Schuld für die Vorfälle Bernard Lowe anzuzetteln. Zugleich setzt sie sich gegen die Reihe an Männern durch, um die Produktion von Hosts fortzuführen.

Bernard ist also zu einem der meistgesuchten Männer herangewachsen. Er setzt sich weit vom Trubel in einer Farmanlage ab und diagnostiziert sich nach seinen Schichten selber. Er möchte sicher stellen, dass niemand auf seinen Code (insbesondere Dolores) zugegriffen hat. Seine Deckung bleibt aber nicht lange erhalten. Zwei Mitarbeiter sind im Begriff ihn für sein Kopfgeld zusammenzuschlagen, ehe er wortwörtlich seinen Schalter umlegt, um sich zu wehren.

Anschließend bezahlt er für eine Reise nach Westworld. Alle, die bereits Heimweh nach dem Western-Areal haben, könnten also schon bald wieder auf ihre Kosten kommen. Er möchte Dolores aufhalten und sucht dementsprechend nach Unterstützung. Handelt es sich hierbei um Maeve?

Geduldige Zuschauer wurden übrigens auch belohnt. Nach den Credits erhielt man noch einen kurzen Blick auf Maeve, die sich von Westworld nach Shogun-World durchgeschlagen hatte. Mittlerweile ist sie wohl in einer Art World War II World gelandet.

Mein Fazit

Parce Domine steht vor der Aufgabe des Worldbuildings. Uns steht eine Welt bevor, die wir bisher nur in vereinzelten Szenen zu sehen bekamen. Die Folge tut gut daran mit Caleb gleichzeitig einen neuen Charakter einzuführen, anhand dem wir die negativen Auswirkungen der Technologie zu spüren bekommen. Uns offenbart uns eine brutale, düstere, futuristische Welt, bei welcher der Soundtrack ihr Übriges tut. Ramin Djawadi läuft nach Game of Thrones wieder auf Hochtouren. Auch der Look und die Schauspielleistungen sind wie gewohnt auf sehr hohem Niveau.

Westworld entdeckt sich in der dritten Staffel neu und trifft dabei genau meinen Geschmack. Habt ihr die erste Folge der dritten Staffel schon gesehen? Wie hat sie euch gefallen? Abschließend noch einmal den Trailer zur dritten Staffel.

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Kommentare

Raphael
@rulpho1

Heute Premiere von „Parce Domine“ auf Prime, der ersten Folge von Westworld! Sieht sehr vielversprechend aus, was Qualität und Story angeht! Freue mich schon auf Folge 2 am nächsten Dienstag!

Raphael
@rulpho1

Jessie im Westworld Universum! Kaufe mir direkt die dritte Staffel auf Prime, wenn sie verfügbar ist! ?

Kiki
@kiki23

Richtig gute Zusammenfassung, ich fand die erste folge der dritten Staffel grandios. Echt gelungener Auftakt mit viel Potential, hoffe es bleibt so geil.

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